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Dorf
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Ein Dorf ist eine Gruppensiedlung im lÀndlichen Raum, eine lÀndliche Siedlung.
In der siedlungsgeographischen Typisierung werden in Deutschland Einzelsiedlungen und Gruppensiedlungen unterschieden. Nur Gruppensiedlungen einer bestimmten GröĂe (âGroĂe Gruppensiedlungâ) werden als Dörfer bezeichnet. Die GröĂe, die eine Siedlung haben muss, um als Dorf zu gelten, ist dabei regional verschieden. In der Geografie bezeichnet Dorf eine lĂ€ndliche Gruppensiedlung ab einer GröĂe von etwa 100 Einwohnerinnen und Einwohnern bzw. 20 Höfen oder GebĂ€udekomplexen.cite-ref-1[1] Als Dörfer werden nur Siedlungen des lĂ€ndlichen Raums bezeichnet.
Idealtypische Dörfer waren traditionell von der Landwirtschaft geprĂ€gt, die meisten Einwohner waren Bauern oder landwirtschaftliche BeschĂ€ftigte, die Siedlungsform wurde von den BauernhĂ€usern bestimmt und stand im engen Zusammenhang mit dem umgebenden Ackerland, der Flur und den traditionellen Flurformen. Neben diesen âAgrarsiedlungenâ gab es aber auch immer landwirtschaftsnahe Gewerbe und ganze Gewerbedörfer. Heutige mitteleuropĂ€ische Dörfer haben auch dann, wenn sie sehr lĂ€ndlich geprĂ€gt sind, nur noch einen geringen Anteil landwirtschaftlich BeschĂ€ftigter. Zudem lebte frĂŒher der gröĂte Teil der Bevölkerung in lĂ€ndlichen Siedlungen, heute nur noch ein geringer. Waren es im Deutschen Reich im Jahr 1900 noch fast die HĂ€lfte (46 Prozent), fiel der Anteil in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 2015 auf etwa ein Viertel ab (23 Prozent).
Kleinere Gruppensiedlungen werden regional als Weiler oder Bauerschaft bezeichnet. Streusiedlungen werden in manchen Gegenden nicht als Dorf bezeichnet, sondern in Nordwestdeutschland als Bauerschaft, am Niederrhein als Honnschaft. Noch kleinere WohnplĂ€tze mit nur einem oder zwei Haushalten werden als Einzelsiedlung, Einzelgehöft, in SĂŒddeutschland und den deutschsprachigen AlpenlĂ€ndern als Einöde oder Einödshof bezeichnet.
Es gab auch Dörfer, in denen sich die meisten Bewohner einer speziellen TĂ€tigkeit der Marktproduktion widmeten, etwa Fischerdörfer, FlöĂer- und WanderhĂ€ndlerdörfer, Weber- oder Töpferdörfer.
Contents
âą Etymologie
âą Dorfgemeinschaft
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Dauersiedlungen saisonale Siedlungen
StĂ€ndig bewohnte menschliche Ansiedlungen kennzeichnen den Dauersiedlungsraum der Erde (Ăkumene). Hier bestehen Dörfer seit dem Beginn der Landwirtschaft vorwiegend aus festen Behausungen (ursprĂŒnglich verschiedene Formen von PfostenhĂ€usern).
Unter klimatisch schwierigeren Bedingungen, die nur eine saisonale Nutzung des Landes als Feld oder Weide zulassen (Subökumene), fanden und finden sich zum Teil bis heute auch Dörfer nomadisierender bis halbsesshafter Bevölkerungen, die als Sommer- oder Winterdörfer genutzt wurden. Sie bestehen entweder aus festen Behausungen, die zeitweise unbewohnt bleiben, oder aus mobilen Behausungen, wie etwa Zelten oder Jurten. Alle denkbaren Kombinationen lassen sich finden: HĂ€ufig sind feste Winterdörfer als Hauptwohnsitz und mobile Sommerlager mit einer stark reduzierten Dorfstruktur oder nur fĂŒr bestimmte Personen (etwa Hirten und ihre Familien), wie es fĂŒr die transhumante Lebensweise z. B. die Yailas in Anatoliencite-ref-2[2] typisch ist. Feste Sommer- und Winterdörfer haben etwa die samischen RentierhĂŒter in Lappland.
SiedlungsgröĂen
Zur Einordnung der OrtsgröĂe von Dörfern sind verschiedene MaĂe herangezogen worden. Neben der Einwohnerzahl des Orts klassifizieren einige Siedlungsgeographen und Statistiker auch nach der Anzahl der HĂ€user (Wohneinheiten, HofstĂ€tten) oder nach dem Umfang der ĂŒberbauten FlĂ€che (wobei ein Abstand der HĂ€user zueinander von etwa 150 Metern als Grenze zwischen Einzel- und Gruppensiedlung vorgeschlagen wurde). Als grobe Faustformel wird oft ein Wert von vier bis fĂŒnf Einwohnern pro HausstĂ€tte angenommen, wobei MehrfamilienhĂ€user nicht berĂŒcksichtigt wĂ€ren. Die meisten Fachleute sind der Ansicht, dass eigentlich eine Charakterisierung nach infrastruktureller und funktionaler Ausstattung der Siedlung vorzuziehen wĂ€re.cite-ref-3[3] Da diese aber oft mit der Einwohnerzahl korreliert und diese leichter messbar ist, wird diese als HilfsgröĂe verbreitet verwendet.
Recht verbreitet ist eine Terminologie, die durch eine internationale Arbeitsgruppe fĂŒr die geographische Terminologie der Agrarlandschaft (spĂ€ter: Historical Geography Research Group), initiiert durch Harald Uhlig und publiziert durch dessen SchĂŒler Cay Lienau eingefĂŒhrt wurde. Demnach hĂ€tte eine kleine lĂ€ndliche Gruppensiedlung, oder Weiler, 10 bis 20 HausstĂ€tten und bis zu 100 Einwohner. Ein kleines Dorf hĂ€tte mehr als das, aber weniger als 100 Haus- oder HofstĂ€tten und weniger als 500 Einwohner. Unter etwa 400 Haus- und HofstĂ€tten und etwa 2000 Einwohner wĂ€re es ein normales Dorf. Siedlungen darĂŒber wĂ€ren als GroĂdorf bzw. Stadtdorf einzuordnen.cite-ref-4[4] Die GröĂenklassen wurden etwa durch Gerhard Henkel ĂŒbernommen,cite-ref-5[5] sie werden auch im Handwörterbuch der Stadtâ und Raumentwicklung akzeptiert.cite-ref-6[6] Die Abgrenzung zu den Weilern und zu stĂ€dtischen Siedlungen (LandstĂ€dten) ist aber vom jeweiligen Autor abhĂ€ngig.cite-ref-7[7] So begrenzt Gerhard Henkel im Handwörterbuch zur lĂ€ndlichen Gesellschaft in Deutschland Weiler, als kleine Gruppensiedlungen, schon bei etwa 20 Haus- oder HofstĂ€tten.cite-ref-8[8] In Ăsterreich ist zu statistischen Zwecken eine geschlossene Ortschaft mit 10 oder mehr GebĂ€uden ein Dorf.cite-ref-9[9]
Rechtliche Stellung
Traditionell stellte das Dorf â auch in Abgrenzung zum kleineren Weiler â als Gemeinde der Bauern eine politische Einheit dar. Vor der Schaffung von GemeinderĂ€ten im 19. Jahrhundert gab es im deutschsprachigen Raum den SchultheiĂ, BĂŒrgermeister, Ortsvorsteher und Dorfschulzen. Durch die Gebietsreformen der 1970er bis 1990er Jahre sind die Dörfer in Deutschland ĂŒberwiegend keine Gebietskörperschaften mehr, sondern wurden zu lĂ€ndlichen Gemeinden zusammengefasst oder in benachbarte StĂ€dte eingemeindet. Einen Kompromiss mit Resten von EigenstĂ€ndigkeit der Dörfer stellen manche Samt- und Verbandsgemeinden dar.
In Bayern gilt gemÀà der EntschlieĂung des dortigen Staatsministeriums des Innern vom 18. Oktober 1950 (Nr. I B1 â 68a 1) grundsĂ€tzlich jede Ansiedlung mit zehn oder mehr WohngebĂ€uden, die keine Stadt ist, als Dorf. GröĂere Dörfer mit stĂ€rkerer Arbeitsteilung und einzelnen stĂ€dtischen Funktionen heiĂen in SĂŒddeutschland, insbesondere in Bayern, Markt. In Norddeutschland, vor allem in Niedersachsen, nennt man sie Flecken. In Hessen ist hierfĂŒr die Bezeichnung Marktflecken verbreitet.
In Ăsterreich ist ein Dorf ebenfalls ein geschlossener Ort mit zehn oder mehr GebĂ€uden, mit historischer Struktur und gewisser Infrastruktur wie Kirche oder Gasthaus.cite-ref-10[10] Kleinere geschlossene Orte und Orte ohne jede Infrastruktur werden als Weiler, Rotte oder Zerstreute HĂ€user klassifiziert, moderne Neuanlagen als HĂ€usergruppe. GröĂere Dörfer mit besonderer Bedeutung in geografischer oder wirtschaftlicher Hinsicht können zum Markt erhoben werden.
Etymologie
Der Ă€lteste Beleg fĂŒr das Wort Dorf, thaurp, findet sich in der gotischen BibelĂŒbersetzung des Wulfila, wo es einen eingezĂ€unten Bereich (z. B. Pferch, Gehege) bezeichnet.cite-ref-11[11] Eine solche Einfriedung diente dem Schutz des Nutzviehs (Pferd, Rind, Ziege, Schaf, Schwein, Huhn, Gans, Ente usw.) vor Fressfeinden, wie dem Wolf. Diese Bedeutung ist auch fĂŒr das nordfriesische terp, das altfriesische therp, wie auch das alemannische Dorf anzunehmen, das Wort sollte ursprĂŒnglich also nicht den Unterschied zwischen einer Einzel- und Gruppensiedlung anzeigen.cite-ref-12[12] Im Schwedischen steht der Begriff torp fĂŒr einen einsam gelegenen, kleinen Bauernhof. Torp hat den gleichen sprachlichen Ursprung aus dem gemeingermanischen Wort wie das althochdeutsche dorf, das altenglische bzw. altsĂ€chsische thorp, angelsĂ€chsisch thorpe, das altislĂ€ndische ĂŸorp und das niederlĂ€ndische dorp. Auf SĂŒdjĂŒtisch heiĂt Dorf trop. Auch das Suffix -trup â mit all seinen Varianten â bedeutet in den nord- und westgermanischen Sprachen immer â-dorfâ; jedoch im ursprĂŒnglichen Sinne von Einzelhof.cite-ref-13[13]
ArchÀologie des Dorfes
Seit dem FrĂŒhneolithikum sind Siedlungen bekannt, die sich durch eine Ansammlung gleichzeitiger HĂ€user, eine ökonomische Grundlage in der Landwirtschaft und gemeinsame Einrichtungen auszeichnen. Nach einer Definition des Dorfes, die auf ebendiese Kriterien abzielt, ist das âDorfâ somit eine grundlegende Siedlungsform der Agrarkultur. VorlĂ€ufer des Dorfes ist der von JĂ€gern und Sammlern mitunter nur saisonal aufgesuchte Wohnplatz. Gleichwohl sind in den Jahrtausenden der Vorgeschichte und des Mittelalters einige VerĂ€nderungen des Dorfes zu beobachten. Bedeutend zu sein scheint etwa die Entwicklung von der Tellsiedlung, die zu Beginn des Ackerbaus in SĂŒdosteuropa bis in den Donauraum verbreitet ist, zur Reihensiedlung und am Ăbergang zum Mittelneolithikum zur Streusiedlung mit lockerer, einheitlich orientierter Bebauung. Hier mögen kulturelle, soziale und wirtschaftliche UmwĂ€lzungen im Hintergrund stehen.
Vor allem ist zu fragen, wann jene Dörfer entstanden, welche die heutige mitteleuropĂ€ische Siedlungslandschaft prĂ€gen (Problem der âDorfgeneseâ). Die Ă€ltere Lehrmeinung ging davon aus, dass das âDorfâ eine typisch germanische Siedlungsform sei und in Westdeutschland auf die germanische Landnahme der Völkerwanderungszeit, im Osten aber auf die deutsche Ostsiedlung zurĂŒckgehe. ArchĂ€ologische Zeugnisse zeigen jedoch, dass bis weit ins Mittelalter das lĂ€ndliche SiedlungsgefĂŒge bedeutenden VerĂ€nderungen unterworfen war. Die klassischen Dorfformen Mitteleuropas sind oft nur SekundĂ€rformen, die sich durch Siedlungskonzentrationen und -verlagerungen, Zusammenlegung von Einzelgehöften (besserer gemeinsamer Schutz, oft bachabwĂ€rts wegen der sichereren Wasserversorgung im Mittelgebirge), aber auch durch komplette innere Umstrukturierung Ă€lterer Siedlungen entwickelten. Eng verbunden mit der Dorfgenese ist die Gemeindebildung, wie sie sich in schriftlichen Quellen fassen lĂ€sst und derzeit vorrangig ins 12./13. Jahrhundert datiert wird.cite-ref-14[14]
Historisch gewachsene Dorfformen in Mitteleuropa
Dörfer werden nach Grundriss, Lage, sozialökonomischer Funktion und Wirtschaftsweise klassifiziert. Grob unterscheidet man nach ungeregelten und geregelten Dorfanlagen, wobei letztere nur bei gelenkter und durchdachter Planung (Kolonisation) vorkommen. Zu den hĂ€ufigsten Dorfformen gehören die Haufen-, die Reihen- und die StraĂendörfer. Auf Besonderheiten und Parallelen wird in den einzelnen Abschnitten eingegangen. Reine Dorfformen sind kaum anzutreffen, Ausnahme: die Rundlinge.
Im Zusammenhang mit den Dorfformen stehen die Flurformen. SpĂ€testens im 20. Jahrhundert traten in deutschen Dörfern Zersiedelungsprozesse ein, wurden Fluren bereinigt und Felder zu groĂen SchlĂ€gen zusammengelegt (âVerkoppelungâ).
Geschlossene Dorfformen
Haufendorf
Ein Haufendorf ist ein geschlossen bebautes Dorf mit unregelmĂ€Ăigen GrundstĂŒcksgrundrissen und hĂ€ufig unterschiedlich groĂen Höfen, oft von einem Ortsetter umgeben. Haufendörfer unterscheiden sich von den meisten anderen Dorfformen dadurch, dass sie unplanmĂ€Ăig angelegt wurden. Ein groĂer Teil der Haufendörfer entstand im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Gewanneflur, bei der jeder Bauer Streifen verschiedener Felder bewirtschaftete und sich die Lage dieser Feldstreifen auch immer wieder Ă€nderte. Die Gemarkung solcher Dörfer gliederte sich in Dorfkern, Ackerflur und Allmende.
Kompaktdorf
Ein Kompaktdorf ist der Extremfall eines Haufendorfs. Die HÀuser wurden eng beieinander oder aneinander gebaut, um in prekÀren topographischen VerhÀltnissen Platz zu sparen. Als Kompaktdörfer werden solche Siedlungen aber nur in den romanischsprachigen Teilen der Alpen, vor im nördlichen Kanton Tessin, bezeichnet.
StraĂendorf
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Hauptartikel
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StraĂendorf
Ein StraĂendorf ist ein lineares, zumeist doppelzeiliges Dorf, dessen HĂ€user bzw. Gehöfte eine StraĂe (vorzeitlich eine Trasse) in dichter Anordnung sĂ€umen. Typischerweise sind die heutigen EinzelhĂ€user bzw. Gehöfte giebelstĂ€ndig zur StraĂe angeordnet. Eine von der HauptstraĂe abzweigende StraĂe ist oft eine Sackgasse.
Angerdorf
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Angerdorf
Ein Angerdorf ist ein Dorf, dessen hervorstechendes Merkmal der Anger, ein im Gemeindebesitz befindlicher zentraler, gestreckt runder Platz mit zumeist einem Teich (Löschwasserteich) oder Brunnen ist. Angerdörfer kommen in Mitteleuropa vor allem auf GrundmorĂ€nenplatten und in LöĂgebieten vor, in Deutschland vor allem in Ost- und Ostmitteldeutschland.
StraĂenangerdorf
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StraĂenangerdorf
Das StraĂenangerdorf ist ein StraĂendorf, dessen DorfstraĂe sich an einer Stelle oder auch in gröĂerer LĂ€nge zu einem Anger weitet und dann weiterlĂ€uft. Im deutschen Sprachraum sind Angerdörfer typisch fĂŒr Nordostösterreich und Teile der Mark Brandenburg. Auch in Nordengland sowie in Frankreich im Barrois gibt es Angerdörfer. Charakteristisch fĂŒr die Anlage brandenburgischer StraĂenangerdörfer in der friderizianischen Zeit ist die Aneinanderreihung der WohngebĂ€ude lĂ€ngs zur StraĂe, mit einem in der Regel mittigen Eingang oder Durchgang und, bei Bedarf, einer zusĂ€tzlichen seitlichen Hofeinfahrt.
Rundling, Rundplatzdorf, Rundweiler
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Rundling
Ein Rundling, Rundplatzdorf oder auch regional Rundweiler genannt, ist eine lĂ€ndliche Siedlung in Rundform, deren Verbreitung sich im Wesentlichen auf den einstigen deutsch-slawischen Grenzraum, also westlich und östlich der Saale und Elbe, z. B. im Hannoverschen Wendland beschrĂ€nkt. Sie zĂ€hlen sĂ€mtlich zu den Platzdörfern. Rundlinge liegen hĂ€ufig auf Spornen, die in die Niederungen der UrstromtĂ€ler hineinragen. Der Platz in der Mitte war ursprĂŒnglich nur ĂŒber einen Weg an das allgemeine Verkehrsnetz angeschlossen. Um den Platz sind wenige Bauernhöfe angeordnet. Daran schlieĂt sich eine Streifengemengeflur an. Es ist ungeklĂ€rt, ob die Rundform aus SicherheitsgrĂŒnden oder in Anpassung an die vorwiegende Viehwirtschaft gewĂ€hlt wurde.
Ein typisches Beispiel ist Bugk (slaw. bug oder buk, dt. âBucheâ) im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Aus einem Wegestern entstanden auf einer kaum wahrnehmbaren Anhöhe in feuchtem, sumpfigem GelĂ€nde gelegen, stellt der Ortskern ein slawisches Rundplatzdorf dar. Rundlinge sind slawischen Ursprungs und hĂ€ufig in Ostdeutschland anzutreffen.
Eine Besonderheit stellt das Wurtendorf dar. Es gehört zu den Siedlungen, deren Gehöfte auf einen zentralen (Dorf-)Platz ausgerichtet sind. Das Wurtendorf entstand in der Regel auf einem von Menschen aufgeschĂŒtteten ErdhĂŒgel, der als Siedlungsplatz fĂŒr eine Einzel- oder Gruppensiedlung diente. Der HĂŒgel sollte das Dorf vor Sturmflut bzw. Hochwasser schĂŒtzen. Dieser Siedlungstyp kommt vor allem an den MarschenkĂŒsten vor, mitunter auch an FlusslĂ€ufen. Wurtendörfer entstanden vor allem im 7. und 8. Jahrhundert.
Siehe auch
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Geschichte der Besiedlung der Marschen
Reihendorf
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Hauptartikel
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Reihendorf
Reihendörfer entstehen durch den Bau einer Siedlung entlang eines langgestreckten topografischen Objekts wie eines Bachs, Grabens oder Deichs. Liegt die Siedlung hingegen entlang einer StraĂe oder eines Weges, spricht man von einem StraĂendorf.
Reihendörfer und StraĂendörfer bieten oft die Möglichkeit, die Siedlung an beiden Enden zu erweitern.
Zeilendorf
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Hauptartikel
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Zeilendorf
Ein Zeilendorf besteht aus einer HĂ€user- oder Hofzeile, die regelmĂ€Ăig und linear aneinander gereiht ist.
Offene Dorfformen
Bei offenen Dorfformen war die Möglichkeit des gegenseitigen Schutzes der Dörfler, aber auch die Gefahr einer Brandkatastrophe geringer als bei geschlossenen. Wo jeder Bauer dauerhaft eine möglichst zusammenhĂ€ngende NutzflĂ€che bewirtschaftet, verkĂŒrzt es die mit dem Arbeitsalltag verbundenen Wege, wenn das Gehöft am Rand oder inmitten der NutzflĂ€che steht.
Bei der planmĂ€Ăigen Urbarmachung nicht oder kaum landwirtschaftlich genutzter, vielfach waldbestandener Gebiete bekam jeder Bauer dauerhaft eine zusammenhĂ€ngende FlĂ€che zugeteilt, die Hufe. So entstanden z. B. die Waldhufendörfer östlich der Saale.
Streusiedlung
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Hauptartikel
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Streusiedlung
Eine Streusiedlung ist eine nicht geschlossene Siedlung, die aus weit auseinanderliegenden Bauernhöfen und Weilern ohne eigentlichen Ortskern besteht. Typische Streusiedlungsgebiete sind das westliche Niedersachsen (zum Beispiel das MĂŒnsterland), der Schwarzwald sowie der voralpine und alpine Raum (hier beispielsweise die Walserkolonien). Zwischen Weser und Ems war Streusiedlung seit jeher verbreitet; in Teilen des AllgĂ€us und des Schwarzwaldes dagegen wurde sie erst in der FrĂŒhen Neuzeit eingefĂŒhrt, um die ErtrĂ€ge der Landwirtschaft zu verbessern.
GroĂe Teile Kanadas und der USA bestehen aus Streusiedlungen.
Hufendörfer
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Hauptartikel
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Reihendorf
Hufendörfer sind spezielle Formen des Reihendorfs als Hagenhufendorf, Marschhufendorf, Moorhufendorf, Waldhufendorf und StraĂendorf. Letzteres beschrĂ€nkt die topografischen Objekte auf StraĂen und Wege. Die Abgrenzung des Begriffes ist nicht scharf definiert.
Siedlungen an Kristallisationspunkten
Kirchdorf
In Gegenden mit traditioneller Streusiedlung lieĂen sich neben einer Kirche gerne Menschen nieder, die ihren Lebensunterhalt nicht oder nicht nur mit Landwirtschaft verdienten. Handelt es sich bei der Kirche um eine Pfarrkirche, so trifft die Bezeichnung Pfarrdorf zu.
Marktflecken
Wo in verkehrsgĂŒnstiger Lage regelmĂ€Ăig MĂ€rkte stattfanden, was in der Feudalzeit nur mit obrigkeitlicher Erlaubnis möglich war, siedelten sich auĂer HĂ€ndlern gerne auch Handwerker an. So entstanden Siedlungen, die nicht selten gröĂer waren als reine Bauerndörfer. Etliche dieser MinderstĂ€dte erhielten spĂ€ter Stadtrechte.
Eisenbahnsiedlung
Die Eisenbahnsiedlungen entstanden vor allem in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Wesentliche Voraussetzung war das Vorhandensein von Eisenbahnhaltepunkten und ihr netzmĂ€Ăiger Ausbau als Komponente der Infrastruktur.
Entwicklung des dörflichen Lebens in Deutschland
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts
Landwirtschaft und Kleinhandwerk wirkten traditionell prĂ€gend im Dorfleben. Die Bewohner lebten ĂŒberwiegend von dem, was Ackerbau und Viehzucht hergaben. Private HausgĂ€rten bildeten die Grundlage fĂŒr die subsistenzwirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung mit GemĂŒse und Obst.cite-ref-15[15]
Wie Schirrmacher am Beispiel eines lippischen Dorfs ausfĂŒhrt, standen noch bis in die 1960er Jahre die eigenen ErtrĂ€ge aus Nutzgarten und Ackerland im Vordergrund. Wer ĂŒber einen Stall verfĂŒgte, hielt ein oder zwei Schweine, HĂŒhner, Kaninchen und auch Ziegen, die bei Bedarf geschlachtet wurden. Zugekauft wurden u. a. Salz, Zucker, Mehl, Kaffee, Essig, Speiseöl und GewĂŒrze. Die Mahlzeiten waren zudem abhĂ€ngig vom Rhythmus der Jahreszeiten, familiĂ€ren Ereignissen sowie von Ernteterminen.cite-ref-16[16]
FĂŒr den Hausbau verwendete man Materialien aus der Umgebung: Holz, Bruchstein, Ziegel â in den meisten deutschen Gebieten vom Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert vor allem fĂŒr Fachwerkbauten. Die Innenaufteilung der GebĂ€ude orientierte sich an den damaligen Erfordernissen; Wirtschaftsbereich und Wohnbereich befanden sich â vor allem in Mittelgebirgslagen â nahe beieinander, z. T. unter einem Dach (z. B. im sogenannten Einhaus). Beheizt wurde lediglich die KĂŒche, die daher im Winter als Wohnraum diente.
In jedem Dorf fanden sich in der Regel sĂ€mtliche Berufe, die fĂŒr die Herstellung und Erhaltung des tĂ€glichen Bedarfs sowie wichtige Dienstleistungen notwendig waren. Dem örtlichen Pfarrer und dem Dorflehrer kamen aufgrund ihrer herausgehobenen Position ein hohes Prestige zu.
Die Freizeit verbrachten die Dorfbewohner mit TĂ€tigkeiten und Leistungen, die der persönlichen, familiĂ€ren oder dorfbezogenen LebensbewĂ€ltigung dienten. Solche TĂ€tigkeiten mit Grunddaseinsfunktion waren z. B. die familienbezogene Handarbeit der Frauen und die Produktion handwerklicher AlltagsgegenstĂ€nde durch die MĂ€nner, aber auch TĂ€tigkeiten fĂŒr die Gemeinschaft, wie z. B. der Deichbau in ĂŒberflutungsgefĂ€hrdeten Gegenden. In der Dorfgemeinschaft waren alle Mitglieder aufeinander angewiesen. Wer sich nicht daran hielt, hatte mit Ausgrenzung zu rechnen.
Sonn- und Feiertage, Hochzeiten und Beisetzungen bildeten ZĂ€suren im Alltagsleben und förderten die Zusammengehörigkeit. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts begann das Vereinsleben auf den Dörfern in Deutschland: Kriegervereine, Gesangvereine, SchĂŒtzen- und spĂ€ter auch Sportvereine belebten die Gemeinschaft; wesentlich trugen auch die Freiwillige Feuerwehren hierzu bei. Die groĂbĂ€uerliche Oberschicht und der Adel distanzierten sich zumeist davon, um ihren sozialen Status zu wahren.
Der Tagesablauf wurde vor allem vom jĂ€hrlichen Zyklus der landwirtschaftlichen TĂ€tigkeiten und der Witterung bestimmt; zudem von kirchlichen Feiertagen und familiĂ€ren Ereignissen. Die Arbeit bestimmte das Leben; dies galt bereits fĂŒr Kinder im Grundschulalter, die etwa unentbehrliche Helfer bei der Ernte waren. Selbst der Schulunterricht â in kleinen Ortschaften hĂ€ufig fĂŒr alle Kinder gemeinsam in einem Raum durchgefĂŒhrt â wurde mit den landwirtschaftlich bedingten AblĂ€ufen abgestimmt. Die Schulferien waren auf die Erntearbeiten abgestellt (Heuferien, Getreideferien (Ernteferien) und Kartoffelferien).
Erste HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges erfuhr das Dorfleben eine ZĂ€sur, da die meisten jĂŒngeren MĂ€nner Kriegsdienste leisten mussten und versehrt oder gar nicht zurĂŒckkehrten: Notwendige BaumaĂnahmen und Reparaturen wurden vernachlĂ€ssigt und das Wirtschafts- und Alltagsleben war grundlegend betroffen. HĂ€ufig bildeten sich informelle Solidargemeinschaften, innerhalb derer man sich gegenseitige UnterstĂŒtzung zuteilwerden lieĂ.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte erheblichen Einfluss auf das wirtschaftlich-soziale GefĂŒge der Dörfer. Die nun einsetzende Blut- und Boden-Ideologie erklĂ€rte den landwirtschaftlich nutzbaren Boden zum unverĂ€uĂerlichen Gut. Der ReichsnĂ€hrstand verlangte Abgaben, die die Bauernschaft zu leisten hatte. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde eine Zwangsbewirtschaftung eingefĂŒhrt, die dem Staat einen direkten Zugriff auf landwirtschaftliche Produkte ermöglichte. Erneut trugen Frauen, Alte, Kriegsversehrte und Kinder die Verantwortung fĂŒr alle dörflichen Belange. Die Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen, die bei der tĂ€glichen Arbeit in der Landwirtschaft eingesetzt wurde, erleichterte die tĂ€gliche Arbeit, fĂŒhrte aber auch zu neuen sozialen Problemen. Die politisch motivierte Sozialkontrolle durch stĂ€ndig drohende Denunziation Andersdenkender, die in den eng zusammenlebenden Gemeinschaften herrschte, nutzte dem Regime und schadete der Gemeinschaft langfristig.
Nach Kriegsende setzte eine neue Entwicklungsphase im lĂ€ndlichen Raum ein, die die dörflichen Strukturen in den beiden neuen deutschen Staaten erheblich verĂ€nderten: Infolge der Vertreibung der meisten Bewohner aus den nach Kriegsende abgetrennten Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches ergab sich ein hoher Zuzug von FlĂŒchtlingen und Vertriebenen in die von Zerstörung verschont gebliebenen Dörfer und KleinstĂ€dte. Der Bedarf an Wohnraum war betrĂ€chtlich, zum Teil entstanden NotunterkĂŒnfte. Infolgedessen stiegen die Bevölkerungszahlen in den lĂ€ndlichen Siedlungen ĂŒberall stark an. In der Nachkriegszeit wurden die Dörfer begehrte Anlaufpunkte fĂŒr Hamsterfahrten der notleidenden Bevölkerung aus den Ballungsgebieten, dabei waren Formen des Tauschhandels gang und gĂ€be.
In der sowjetischen Besatzungszone und spĂ€ter in der DDR fand nach dem Krieg eine Bodenreform statt, bei der staatlich in die EigentumsverhĂ€ltnisse eingegriffen wurde: EntschĂ€digungslose Enteignungen waren die Folge, es entstanden daraus zunĂ€chst Neusiedlerstellen fĂŒr Kleinbauern, spĂ€ter wurde die Kollektivierung der Landwirtschaft erzwungen.
In der neugegrĂŒndeten Bundesrepublik Deutschland wurden in den frĂŒhen 1950er Jahren Fördermöglichkeiten zum Wohnungsbau â auch speziell mit Blick auf Zugezogene â etabliert (Lastenausgleichsgesetz), die sich auch im Dorfbild niederschlugen. Neue WohnhĂ€user mit WirtschaftsgĂ€rten und kleinem Stallanbau entstanden hĂ€ufig am Rande der Dorfkerne. Die Heimatvertriebenen brachten ihre eigene Kultur, ihre besonderen Dialekte, GebrĂ€uche und Gewohnheiten ein. In traditionell evangelisch geprĂ€gten Gebieten wurden katholische Gemeinden etabliert oder umgekehrt. Dies fĂŒhrte zu neuen Spannungen. Mit der WĂ€hrungsreform 1948 und dem in den westlichen BundeslĂ€ndern beginnenden Wirtschaftswunder entstand Arbeit und BeschĂ€ftigung â vor allem in der Industrie und im Bergbau, spĂ€ter auch im Dienstleistungsbereich. Damit setzte das Pendeln von ArbeitskrĂ€ften aus den Dörfern in die StĂ€dte sowie eine zunehmende Landflucht ein. Die Einwohnerzahl in den meisten lĂ€ndlichen Gemeinden pendelte sich in den frĂŒhen 1950er Jahren wieder ungefĂ€hr auf Vorkriegsniveau ein.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts
In vielen Regionen wurde der Aus- und Neubau der Verkehrsinfrastruktur notwendig. In der Bundesrepublik erfolgte das mit Blick auf den Individualverkehr, in der DDR eher am ĂPNV orientiert. Ausbau und Verbreiterung von StraĂen bedeuteten oft einen massiven Eingriff ins DorfgefĂŒge. Dies teilte mancherorts Dörfer, die LĂ€rmbelĂ€stigung nahm zu. Dörfer wurden zu âAuspendlergemeindenâ, sofern vor Ort die Arbeitsmöglichkeit fehlte. Die Rationalisierung der Landwirtschaft setzte ein. Die dabei freigesetzten ArbeitskrĂ€fte fanden hĂ€ufig BeschĂ€ftigung in den BallungsrĂ€umen. Landwirtschaftsbetriebe, die expandieren wollten, siedelten aus den engen Dorflagen an die RĂ€nder aus, was LeerstĂ€nde in der Dorfmitte zur Folge hatte. Im Umland der BallungsrĂ€ume verlor die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung fĂŒr die Dörfer.
In der DDR wurden Gebietsreformen durchgefĂŒhrt; aus ehemaligen LĂ€ndern wurden DDR-Bezirke. In der BRD entstand eine föderale Ordnung, in der Bund, LĂ€ndern und Gemeinden unterschiedliche Aufgaben zugewiesen wurden: Jede Dorfgemeinde besaĂ ihren haupt- oder ehrenamtlich tĂ€tigen BĂŒrgermeister, der die Belange der Gemeinde nach auĂen hin vertrat und örtliche ZustĂ€ndigkeiten in Abstimmung mit der gewĂ€hlten Gemeindevertretung auf Basis der Gesetze und Verordnungen regelte. Nach dem Jahr 1969 wurde in der BRD eine Gemeindegebietsreform durchgefĂŒhrt, die durch Zusammenlegung von Dörfern neue Verwaltungs- und Gemeindestrukturen entstehen lieĂ, die nicht selten traditionell gewachsene Sozialstrukturen aufbrachen.
In den 1970er Jahren begann ein Trend zum lĂ€ndlichen Wohnen: leerstehende BauernhĂ€user wurden zu reinen WohngebĂ€uden umgebaut. In attraktiven Mittelgebirgslagen entstanden Zweitwohnungssiedlungenn im Anschluss an bestehende Dörfer, so z. B. im Einzugsgebiet Frankfurts, im Vogelsberg. Der Zuzug von StĂ€dtern, sowie seit den 1960er Jahren von Gastarbeitern, erzeugte erneute soziale Spannungen. Wie Tappe-Pollmann fĂŒr das Lipperland formuliert: âDie Dorfzugehörigkeit misst sich nicht an Einheirat oder dem Willen der Zugezogenen an Anpassung, sondern sie wird nach Generationen bemessen â auch heute noch.âcite-ref-17[17]
Durch die fortschreitende Rationalisierung der Landwirtschaft und anderer Erwerbszweige, die gröĂere MobilitĂ€t und Reaktionen auf die Gebietsreform haben sich die dörflichen Strukturen grundlegend gewandelt, sodass der âdörfliche Charakterâ, den viele Gemeinden und Ortsteile gerne hervorheben, in vielerlei Hinsicht nur noch historisch ist.
Heute werden manche neuen Siedlungen oder auch Einrichtungen als Dorf bezeichnet, um ihre Ăberschaubarkeit oder ihre Abgrenzung von einer umgebenden GroĂstadt zu betonen.
Ăberkommene Dörfer, mit (touristischer) Vermarktung einer besonderen Tradition, eines politischen Anspruchs oder anderer Besonderheiten
⹠Töpferdorf
âą Glasmacherdorf
âą Ăkodorf
âą Storchendorf
âą Schachdorf
âą Dorf der Jugend (in der DDR)
âDörferâ fĂŒr den vorĂŒbergehenden Aufenthalt bestimmter Personengruppen
âą Kinderdorf
âą Studentendorf
âą Olympisches Dorf
âą Feriendorf (auch: Touristendorf, Urlauberdorf oder -siedlung)
Vom Umfeld abgegrenzte Bauweise
âą Containerdorf
Zumeist nicht (mehr) bewohnt
âą Museumsdorf
âą WĂŒstung
Soziale Strukturen, Soziologisches
Dorfgemeinschaft
Eine Dorfgemeinschaft zeichnet sich aus durch soziale Beziehungen (Nachbarschaftsbeziehungen, feste Strukturen und Normen, Sitten, Brauchtum, Feste, Vereinswesen) bis hin zur lĂ€ndlichen Architektur, Bekleidung, Nahrung usw. Auch die Entwicklung der Bevölkerung blieb an die verfĂŒgbare NutzflĂ€che gebunden, was â etwa im Alpenraum mit seinem eng begrenzten Siedlungsraum â hĂ€ufig zu inner- und zwischengemeindlichen Konflikten fĂŒhrte.cite-ref-18[18] Das Gleichgewicht wurde dadurch aufrechterhalten, dass ein Teil der Bevölkerung keine Familien grĂŒndete oder auswanderte. Mit beginnender Industrialisierung fand der nichtbĂ€uerliche Teil der dörflichen Bevölkerung durch Heimarbeit eine zusĂ€tzliche Einnahmequelle. In SĂŒdwestdeutschland wurde durch eine breitgestreute Ansiedlung kleinerer Industriebetriebe relativ frĂŒh eine gröĂere Zahl auĂerlandwirtschaftlicher DauerarbeitsplĂ€tze geschaffen. Heute bildet das landwirtschaftlich bestimmte Bauerndorf die Ausnahme.
Soziologisch wird das Dorf empirisch vor allem in der Gemeinde- und Agrarsoziologie untersucht (teilweise in der Entwicklungssoziologie), konzeptionell ist dafĂŒr besonders auf den Begriff âGemeinschaftâ zu verweisen.
In der Anthropologie und Ethnologie bezeichnet Dorfgemeinschaft als Fachbegriff speziell die sozialen Gruppen traditioneller Bodenbauern.
In den Dörfern hatten Anfang des 19. Jahrhunderts bei ausbrechendem Brand sofort bestimmte Einwohner die Feuerspritze zu holen. Ein FeuerlĂ€ufer musste erforderlichenfalls eine weitere Löschpumpe anfordern. In vielen Dörfern hatten bei Wahrnehmung eines Brandes der Lehrer des Ortes Sturm zu lĂ€uten und der Ausschusstambour Alarm zu schlagen. Alle arbeitsfĂ€higen Einwohner mussten mit gefĂŒlltem Eimer zur Brandstelle eilen und sich in doppelter Reihe nach dem nĂ€chsten Wasser (z. B. Bach, Brandweiher) aufstellen: âDurch die HĂ€nde lange Kette um die Wette flog der Eimer.âcite-ref-19[19]
Dorfentwicklung und -sicherung
Dörfer unterliegen momentan einem starken strukturellen Wandel. Aufgrund des Aussterbens der kleinbĂ€uerlichen Dorfkultur entfĂ€llt die Landschaftspflege besonders in abgelegeneren Orten. WĂ€hrend die zumeist Ă€ltere landwirtschaftlich tĂ€tige Generation ausstirbt, erwirtschaftet die Mehrheit der Dorfbewohner ihr Einkommen als Pendler in den mehr oder weniger nahe liegenden Ballungsgebieten. Die Anzahl Pendler hat beispielsweise in der Schweiz von 1990 bis 2016 um 38 % zugenommen.cite-ref-20[20] Daher werden zur Sicherung des gewachsenen Landschaftsbildes verschiedene Anstrengungen unternommen. Mit dem EuropĂ€ischen Dorferneuerungspreis und dem Bundeswettbewerb âUnser Dorf hat Zukunftâ sollen die Bewohner der Dörfer durch Anregung des BĂŒrgerengagements die LebensqualitĂ€t erhalten oder verbessern. UnterstĂŒtzt werden diese BemĂŒhungen beispielsweise mittels Programmen zur Dorferneuerung. In Bezug auf die Agenda 21 erhofft man sich davon zumindest den Erhalt des Landschaftsbildes.
Das Dorf in Literatur und Ideengeschichte
WĂ€hrend es schon seit dem 19. Jahrhundert eine blĂŒhende Literaturform gibt, welche die dörfliche Gemeinschaft und die dörflichen Konflikte in den Mittelpunkt rĂŒckt (Dorfgeschichte), ist das Dorf in jĂŒngerer Zeit als Ort der Ideenbildung und Ideenverarbeitung vermehrt in den Blickpunkt der Forschung geraten. Dabei interessiert es besonders, wie sich stĂ€dtische von dörflichen Kommunikations- und Denkformen unterscheiden.cite-ref-21[21]
Siehe auch
Literatur
âą Philip Ajouri, Wolfert von Rahden, Andreas Urs Sommer: Das Dorf. (= Zeitschrift fĂŒr Ideengeschichte. Heft IX/2, Sommer 2015). C. H. Beck, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-406-67382-5.
âą Marco Bellabarba, Hannes Obermair, Hitomi Sato (Hrsg.): Communities and Conflicts in the Alps from the Late Middle Ages to Early Modernity (= Fondazione Bruno Kessler. Contributi/BeitrĂ€ge. 30). Il mulino â Duncker & Humblot, Bologna/Berlin 2015, ISBN 978-88-15-25383-5 bzw. ISBN 978-3-428-14821-9.
âą William Foerste: Zur Geschichte des Wortes Dorf. In: Studium Generale 16, 1963, S. 422â433.
âą Gerhard Henkel: Das Dorf. Landleben in Deutschland gestern und heute. 4. Auflage, K. Theiss, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8062-3984-3, 345 S.
âą Herbert Jankuhn, Rudolf SchĂŒtzeichel, Fred Schwind (Hrsg.): Das Dorf der Eisenzeit und des frĂŒhen Mittelalters. Siedlungsform â wirtschaftliche Funktion â soziale Struktur. (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften Göttingen, Phil.-Hist. Klasse 3. 101). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1977.
âą Anneliese Krenzlin: BeitrĂ€ge zur Kulturlandschaftsgenese in Mitteleuropa. Gesammelte AufsĂ€tze aus vier Jahrzehnten (hrsg. von Hans-JĂŒrgen Nitz und Heinz Quirin). Steiner, Wiesbaden 1983, ISBN 3-515-04035-8.
âą Hansjörg KĂŒster: Hat das Modell Dorf noch eine Zukunft? In: Jahrbuch fĂŒr das Oldenburger MĂŒnsterland 2012. (Hrsg.: Heimatbund fĂŒr das Oldenburger MĂŒnsterland), Vechta 2011, ISBN 978-3-941073-10-4, S. 204â216.
⹠Cay Lienau: Die Siedlungen des lÀndlichen Raumes. 3. Auflage, Braunschweig 1997.
⹠Werner Nell, Marc Weiland (Hrsg.): Dorf. Ein interdisziplinÀres Handbuch. J.B. Metzler, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-476-05449-4, doi:10.1007/978-3-476-05449-4.
âą Werner Rösener u. a.: Dorf. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 3. Artemis & Winkler, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1986, ISBN 3-7608-8903-4, Sp. 1266â1312.
âą Werner Rösener: Bauern im Mittelalter. 4., unverĂ€nd. Auflage. C. H. Beck, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-406-30448-6.
⹠Henning Schöpke-Papst: Dörfer in Deutschland. Braunschweig 1989.
âą Rainer Schreg: Dorfgenese in SĂŒdwestdeutschland. Das Renninger Becken im Mittelalter (= Materialhefte zur ArchĂ€ologie in Baden-WĂŒrttemberg. 76/2006). Theiss, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-2066-2.
âą Rainer Schreg: Die ArchĂ€ologie des mittelalterlichen Dorfes in SĂŒddeutschland. Probleme â Paradigmen â Desiderate. In: Siedlungsforschung. ArchĂ€ologie â Geschichte â Geographie. 24/2007, S. 141â162.
âą Gisbert Strotdrees: Es gibt keine abgelegenen Orte mehr. Anmerkungen zur Gegenwart und Zukunft der lĂ€ndlichen RĂ€ume. Vortrag zur Reihe âZukunft der Dörferâ der UniversitĂ€t Vechta 2019/20. In: Heimat Westfalen. Heft 1 (2020) (PDF; 11 MB).
âą Werner TroĂbach, Clemens Zimmermann: Die Geschichte des Dorfes. Von den AnfĂ€ngen im Frankenreich zur bundesdeutschen Gegenwart. Ulmer Verlag, Stuttgart 2006.
Im Besonderen zu Ăsterreich:
âą Adalbert Klaar: Die Siedlungs- und Hausformen im Niederösterreichischen Weinviertel. In: Niederösterreichisches Bildungs- und Heimatwerk: Bericht ĂŒber die Fachtagung 1975 der Aktionsgemeinschaft "Volkskunde". Wien 1975, S. 13â17.
âą Gerhard Stenzel: Das Dorf in Ăsterreich. Mit Fotos von Lothar Beckel und Lorenz Schönemann. Kremayr & Scheriau, Wien 1985.
Weblinks
Commons
: Dorf
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Dorf
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikiquote: Dorf
â Zitate
âą Anne-Marie Dubler, Philippe Della Casa: Dorf. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
âą Eintrag Dorf im Lexikon der Geographie, Spektrum.de.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung. LĂ€ndliche RĂ€ume: Dörfer und KleinstĂ€dte im Wandel
cite-note-22. â GĂŒnter Glauert: Agrargeographie. In: Gustav Fochler-Hauke (Hrsg.): Allgemeine Geographie. 183.-190.000 Auflage. Das Fischer Lexikon, Nr. 14. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1968, ISBN 3-436-01166-5, S. 26.
cite-note-33. â Martin Born: Zur funktionalen Typisierung lĂ€ndlicher Siedlungen in der genetischen Siedlungsforschung. In Werner Kreisel, Wolf D. Sick, Jörg Stadelbauer (Hrsg.): Siedlungsgeographische Studien. Festschrift fĂŒr Gabriele Schwarz. De Gruyter, 1979. (Reprint 2019, ISBN 978-3-11-007573-1)
cite-note-44. â Cay Lienau: Die Siedlungen des lĂ€ndlichen Raums. Westermann Verlag, Braunschweig 1995, ISBN 3-14-160283-2, Tabelle auf S. 64.
cite-note-55. â Gerhard Henkel: Das Dorf. Landleben in Deutschland â gestern und heute. (= Schriftenreihe der bpp Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung. Bd. 10539). 2020, ISBN 978-3-7425-0539-2, S. 214â215.
cite-note-66. â Hildegard Schrötelerâvon Brandt: Dorf. In: ARL â Akademie fĂŒr Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.): Handwörterbuch der Stadtâ und Raumentwicklung. Hannover 2018, ISBN 978-3-88838-559-9.
cite-note-77. â Annett SteinfĂŒhrer: LĂ€sst sich die Zahl der Dörfer in Deutschland bestimmen? Von DefinitionsbemĂŒhungen, Suchwegen und unterschiedlichen Befunden. In: Berichte ĂŒber Landwirtschaft. 99 (3), 2021. doi:10.12767/buel.v99i2.358
cite-note-88. â Gerhard Henkel: Dorf und Gemeinde. In: Stephan Beetz, Kai Brauer, Claudia Neu (Hrsg.): Handworterbuch zur lĂ€ndlichen Gesellschaft in Deutschland. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, ISBN 3-8100-3749-4.
cite-note-99. â z. B. Statistik Austria (Hrsg.:) Ortsverzeichnis Vorarlberg. Wien 2004, ISBN 3-902452-47-1. 5. KĂŒrzungsschlĂŒssel fĂŒr die Topographische Kennzeichnung und âSonstige KĂŒrzungenâ. analog in den anderen österreichischen Ortsverzeichnissen.
cite-note-1010. â Statistik Austria (Hrsg.): Ortsverzeichnis 2001. Wien 2005, gemeinsame Einleitung der LĂ€nderbĂ€nde, S. 20 (etwa Ortsverzeichnis 2001 Tirol (PDF; 3,1 MB), Statistik Austria, Wien 2005, ISBN 3-902452-46-3, S. 20.)
cite-note-1111. â Rudolf SchĂŒtzeichel: âDorfâ. Wort und Begriff. In: Herbert Jankuhn, Rudolf SchĂŒtzeichel, Fred Schwind (Hrsg.): Das Dorf der Eisenzeit und des frĂŒhen Mittelalters: Siedlungsform, wirtschaftliche Funktion, soziale Struktur. Bericht ĂŒber die Kolloquien der Kommission fĂŒr die Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas in den Jahren 1973 und 1974. (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse 3. Folge Nr. 101). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1977, S. 25â27.
cite-note-1212. â Rudolf SchĂŒtzeichel: âDorfâ. Wort und Begriff. In: Herbert Jankuhn, Rudolf SchĂŒtzeichel, Fred Schwind (Hrsg.): Das Dorf der Eisenzeit und des frĂŒhen Mittelalters: Siedlungsform, wirtschaftliche Funktion, soziale Struktur. Bericht ĂŒber die Kolloquien der Kommission fĂŒr die Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas in den Jahren 1973 und 1974. (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse 3. Folge Nr. 101). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1977, S. 31.
cite-note-1313. â William Foerste: Zur Geschichte des Wortes Dorf, in Studium Generale 16, 1963, S. 427.
cite-note-1414. â Enno BĂŒnz (Hrsg.): Ostsiedlung und Landesausbau in Sachsen, Die KĂŒhrener Urkunde von 1154 und ihr historisches Umfeld. Leipzig 2008, ISBN 978-3-86583-165-1.
cite-note-1515. â Horst W. MĂŒller in: 675 Jahre Wommelshausen 1336 â 2011, Geschichtlicher Ăberblick und Lebensbilder aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts; Abschnitt: Lebensbilder Seiten 31 bis 47, Hrsg. Dorfgemeinschaft Wommelshausen e. V., Bad Endbach 2011.
cite-note-1616. â Willi K. Schirrmacher: Von der Selbstversorgung zum Dorfladen. Der Wandel der Lebensmittelversorgung in Silixen. In: Lippischer Heimatbund (Hrsg.): Zeitschrift. 116. Jahrgang, Nr. 01. Lippischer Zeitungsverlag, Detmold Januar 2023, S. 12.
cite-note-1717. â Imke Tappe-Pollmann: Dorfleben in Lippe. In: Lippischer Heimatbund (Hrsg.): Zeitschrift des Lip. Heimatbundes und des Landesverbands Lippe. Band 1, Nr. 2023. Selbstverlag, Detmold Februar 2023, S. 8.
cite-note-1818. â Marco Bellabarba, Hannes Obermair, Hitomi Sato (eds): Communities and Conflicts in the Alps from the Late Middle Ages to Early Modernity. Bologna/Berlin 2015.
cite-note-1919. â Franz-Josef Sehr: Das Feuerlöschwesen in Obertiefenbach aus frĂŒherer Zeit. In: Jahrbuch fĂŒr den Kreis Limburg-Weilburg 1994. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg 1993, S. 151â153.
cite-note-2020. â Die Schweizer â ein Volk von Pendlern. Studie zur MobilitĂ€t. In: www.srf.ch. SRF Schweizer Radio und Fernsehen, 27. August 2018, abgerufen am 22. Juli 2021.
cite-note-2121. â Philip Ajouri, Wolfert von Rahden, Andreas Urs Sommer: Das Dorf. (= Zeitschrift fĂŒr Ideengeschichte. Heft IX/2, Sommer 2015). C. H. Beck, MĂŒnchen 2015 erarbeiten philosophische, literaturhistorische, ethnographische und anthropologische Aspekte des Dorfes; Siehe auch Jochen Hieber: Komm! ins Offene, Freund! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. November 2014, Online